Nur dicke Zahlen? – kontroverses Thema: Kosten eines Blogs

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Kopfschütteln auf der einen Seite, rüde Kritik auf der anderen. Off Topic für einen Beautyblog? Nicht ganz.

„Schmeisste vor lauter Kochen alle zwei Minute deinen dämlichen Laptop in dein goldenes Waschbecken, oder was?“

Selten las ich eine so kontroverse Stellungnahme zu einem Blogpost wie von Chris, der sich selbst als Anarchist, Transhumanist, Blogger, Medienkönner & Wandersmann bezeichnet.

Warum werden 55 € monatlich als Fixkosten für den Computer berechnet? Warum wird ein Mindestlohn von 8,50 € für eine Stunde Bloggen berechnet? Wird jeden Monat für 50 € Kochgeschirr eingekauft? Und wohin verschwinden die Sachen nach diesem Monat? In einer Großraumküche von der Dimension eines LKWs?

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Marc Boberach/ pixelio.de

Worum geht es? Es geht um den Post von Mel, die eine Aufstellung ihrer Blogkosten postete. Mel schreibt mit 120.000 Aufrufen im Monat einen großen Kochblog, sie war in Medien vertreten und nennt viele Leser ihr eigen. Mel schrieb auf, was ihr Blog sie im Monat kostet, so über den Daumen gepeilte Fixkosten.

Nicht jeder Blog hat genau solche Fixkosten. Da geht es um Trafficverbrauch, von dem ein großer Blog natürlich mehr hat. Da geht es um Equipment, von dem ein großer Kochblog natürlich mehr benötigt, da geht es um die großen Zahlen die ein kleinerer Blog eben einfach (noch) nicht hat. Es geht um die Zusammenstellung der einzelnen Posten, die als Summe stolze 706,85 € an Fixkosten für Hardware und Zusatzaufwendungen wie Steuerberater etc. ausmachen sollen. Die reine Arbeitszeit in 8,50 €-Mindestlohn gerechnet schlugen bei Mel noch mal mit satten 667,25 € zu Buche.

Darf man Arbeitszeit rechnen? Darf ich beim eigenen Blog meine eigene Zeit berechnen? Darf ich? Wer entscheidet das? Der Leser? Der Werbepartner für den ich schreibe? Die Blogger unter sich? Die Allgemeinheit? Wer bestimmt, was ich berechnen darf und was nicht?

Was mich zur ewigen Frage eines jeden Bloggers bringt: Was bin ich wert?

Was bin ich einer Firma wert? Was bin ich meinem Leser wert? Was bin ich anderen Bloggern wert?

Eine Firma zahlt für eine Kooperation (ob nun Verlinkung, Blogpost, Produktvorstellung… völlig egal) Summe X. Ich bin also X wert. Per definitionem anhand des Kontoauszugs, ich kann es belegen.

Der Leser abonniert mich, ich habe Summe X an Lesern. Ich bin X Leser wert. Per definitionem, ich habe die Abozahlen schwarz auf weiß.

Blogger A verlinkt meinen Post, Blogger B meinen Blog. Ich bin Bloggern die Weiterleitung zu mir wert. Ich fühle mich wert geschätzt unter Gleichgesinnten. Keine Summe, kein Geldwert, aber dennoch ein ganz klar definierter Wert.

Darf ich selbst den Wert meiner Worte in Geld umrechnen? Ich finde, ich darf. Ich schätze mich genau das wert.

Wir sind hier bei der klassischen Hausfrau angelangt, die deutschen Richtern jahrelang nichts wert war, bis geklagt wurde. Die Arbeit einer Hausfrau ist etwas wert! Ob ich nun den Job einer Haushälterin bei Familie  Meier antrete und dafür 1500 € kassiere oder ob ich genau die gleiche Arbeit in meinem eigenen Haushalt verrichte und nicht bezahlt werde, die Arbeit als solche ist genau diese Summe wert. Der Verdienstausfall einer Hausfrau berechnet sich danach, was eine Ersatzkraft kosten würde. das zahlt zB auch die Krankenkasse, wenn eine Mutter erkrankt, niemand einspringen kann und Kinder zu versorgen sind. Warum sollte das bei einem Blogger anders sein? Ist Bloggen keine Arbeit? Nur ein Hobby, auch wenn damit Geld verdient wird?

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Marc Bobrach/ pixelio.de

Zurück zu Mel und ihren Kosten: Viele Posten darauf kann ich ohne zu zucken als richtig und fair verbuchen. Einiges erscheint mir auf den ersten Blick zu hoch gegriffen, relativiert sich aber schnell beim Hochrechnen auf ein ganzes Jahr: Monatlich 83 € für Kamera? Ja, rechne ich *12 kommen da knapp 1000 € für Kamera, Stativ, Objektiv und Zubehör raus. Das ist realistisch für einen großen Blog, Kameras und ihre Pflege sind nun mal teuer. Dagegen erscheinen mir Lebensmittel mit gerade mal 100 € im Monat für einen reinen Kochblog, der damit Geld verdient, sehr wenig. Gut, sie muss damit nicht ihre 5-köpfige Family ernähren. Ja kann also durchaus hinkommen, eine Portion für den Post kochen. Ist ja nur für´s Bild. Küchengeräte, Kochgeschirr, Deko etc. mit insgesamt 150 € pro Monat, auhauaha. Geht das dauernd kaputt? Muss man das immer neu kaufen? Mag sein das es ständig neu ist, wer bin ich das ich darüber richte? Kann ich als Nicht-Kochblogger die Notwendigkeit beurteilen? Oder muss ich das gar nicht, denn es ist ja Mels freie Entscheidung immer neue Deko einzukaufen. Sie kann das, sie darf das. Punkt!

Mel verdient also Geld mit ihrem Blog. Das ist schön für sie, viele andere tun das auch. Viele möchten es. Viele möchten viel verdienen, nur dafür müssen sie groß genug sein. Und Größe erreicht man nicht einfach so. Größe muss hart erarbeitet werden!

Die Größe der Anerkennung und des Geistes ist gratis aber nie umsonst.

Wie seht ihr die Diskussion, die sich da zwischen Chris und Mel entsponnen hat? Gerechtfertigt? Überzogen? Wie ist euer Standpunkt zum Thema Geld und Bloggen?

Edit: Janine (shades of pink) machte mich auf einen weiteren tollen Beitrag zu dieser Diskussion aufmerksam: http://distel.twoday.net/stories/1022396033/, den ich euch hiermit zusätzlich empfehle. Danke Janine.

 

Liebe Grüße,

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13 Comments

  • distelfliege sagt:

    Danke für die Empfehlung!
    Ich denke, kein Mensch sollte verlangen, dass du oder jemand anderes draufzahlen soll, um ihm/..ihr kostenloses Entertainment zu liefern. Ihr macht das so, wie ihr es für richtig haltet und damit ist das gut.

    Ich widerspreche dir aber an einem ähnlichen Punkt wie Mel: „Was bin ich wert“ ist eben nicht die „ewige Frage eines jeden Bloggers“. Du sprichst, ähnlich wie Mel, von einem speziellen Segment der Blogosphäre. Es gibt da aber einiges mehr an Diversität, die du vielleicht nicht kennst, oder nicht siehst. Ich frage mich nie, was „ich wert bin“, nicht an Leser_innen, nicht an Klicks, nicht an Geld, nicht an Verlinkungen, sondern ich frage mich, was ich der Community zu geben habe, was ich der Welt zu sagen habe, und wie wir die Welt vielleicht auch etwas besser machen könnten.
    Was Chris angeht, habe ich keine Lust, seinem privilegiert-mackerhaften Auswurf noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
    liebe Grüsse von einer, für die Anarchismus und Sexismus nicht zusammen geht.

    • Peter Dworak sagt:

      Was in dem Artikel von Mel (gourmetguerilla.de) nirgendwo erwähnt wird, sind die Einnahmen die sie mit ihrem Food- und Lifestyle-Blog erzielt. Alle argumentieren pro oder contra was die Fixkosten und den Mindestlohn angeht. Aber keine fragt nach den Einnahmen!

      Wenn ich für einen Blog mtl. € 500,- ausgebe, aber € 5000,- einnehme, dann ist das o.k. Der Erfolg gibt einem Recht! Mel ist in Fernseh- und Radiosender aufgetreten und diverse Zeitschriften haben über ihren Blog berichtet. Siehe Menüpunkt Presse auf ihren Blog. Von diesen Resultaten kann ich als angehender nur träumen; Hut ab!

  • Carlos sagt:

    Die Ausgaben sind von Blog zu Blog unterschiedlich und mit diesem Rechenbeispiel gehe ich nicht in allen Punkten konform. Das Finanzamt gibt vor, wie viel man von einer Anschaffung jährlich abschreiben kann. Da stimmt es soweit nicht. Als Einzelblogger halten sich die Kosten daher im Rahmen, jedoch bei einem Küchenprojekt sind die Produkte und Zubehöre eher umfangreich. Daneben können weitere Kosten wie Texteinkauf, Programmierer, Tools wie Sistrix, Werbung usw. nochmals gehörig zu Buche schlagen, die natürlich für ein Blog alleine sicher nicht notwendig sind. Solange Ausgaben und Einnahmen in einem gesunden Verhältnis stehen, sind beidem nach oben keine Grenzen gesetzt. Besten Gruß, Carlos

  • Die Diskussion zeigt mal wieder, dass Bloggen in Deutschland nicht als „Beruf“ angesehen wird sondern immer noch als Hobby.
    Ja, ICH betreibe meinen Blog als Hobby und verdiene damit kein Geld. Aber ich schreibe darum auch nur just for fun und wann und wenn ich Lust habe…. (auch mal wochenlang gar nicht…)
    Will ich damit aber Geld verdienen, dann macht es Arbeit, nervt auch mal, wie andere Arbeit auch und kostet viel Energie.
    Da ist es reichlich unfair, wenn andere darüber urteilen, wie viel meine Arbeit wert sein darf…. in der freien Wirtschaft verdient auch jeder anders… die Sekretärin bei BMW nun mal mehr als die kleine Friseuse um die Ecke… so what!?
    aber Neid ist leider das Thema, was der deutsche Blogger am Liebsten hat, scheint mir…. traurig…
    Mir ist es vollkommen schnuppe, wie viel jemand mit seinem Blog verdient oder nicht verdient, solange die Beiträge gut sind….

  • pinkleoley sagt:

    Da hast du eigentlich das richtige unterstellt und gefragt: Was will ich von meinem Blog?
    Ich persönlich nehme es als Hobby und habe in den 5 Jahren NIE etwas nur für den Blog gekauft oder nur um es zu zeigen. 99% der Kollab-Anfragen lehne ich ab, weil ich das Geld für dei Sachen nicht ausgeben würde und was soll ich dann damit?
    Es gibt andere die damit Geld verdienen (wollen) und dann sehe ich es als Arbeit an. Wie ein freier Journalist zB. Da finde ich es wie bei Mel völlig gerechtfertigt Geld für auszugeben und Lohn zu berechnen. Egal ob es mein einziger und voller Job ist oder „nur“ ein Nebenverdienst: Wenn ich Geld damit verdiene, dann muss ich das durchrechnen, denn ich muss ja davon leben können. Kalkulation ist nur sinnvoll, sogar notwendig!

    LG 🙂

  • Eddy sagt:

    Lass mich zuerst Deine Frage am Ende des Posts beantworten: ich finde die Diskussion um das Thema komplett überzogen. Soll doch jeder machen, was er/sie will. Und dazu zählt eben auch, ob man Bloggen als Arbeit bezeichnet, oder nicht.

    Damit komme ich zu Deiner Frage mitten im Post: „Ist Bloggen keine Arbeit? Nur ein Hobby, auch wenn damit Geld verdient wird?“

    Die Antwort: siehe oben… 😉 Das definiert jeder für sich.

    Meine bescheidene Meinung dazu:

    Ich finde, die Motivation zum Bloggen sollte niemals GELD VERDIENEN sein. Wer einen Blog starten möchte, der sollte ein THEMA haben, für das er/sie BRENNT. Die Leidenschaft sollte der Motor sein – und immer bleiben. Auf diese Weise „passiert es einfach“, dass im Laufe der Zeit mit dem Bloggen auch etwas verdient werden kann: Unternehmen bieten kostenlos Produkte zum Testen an, sie wollen bezahlte Blogposts buchen, laden zu einem Event oder in ein Hotel ein, usw.

    Das gilt fr alle Blogger. Mit Ausnahme der Blogger, die einen Blog betreiben, um anderen Bloggern zu erklären, wie man mit dem Bloggen Geld verdienen kann – und eben damit selbst ihr Geld verdienen. 😉

    Also jedem das seine. Leben und leben lassen.

    Ob ein Blogger erfolg-REICH wird, das entscheiden die Leser!

  • Steffi sagt:

    Ich finde es aus Sicht eines Bloggers total normal, dass man mit seinem Blog auch Geld verdienen möchte, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt. Warum auch nicht? Man investiert ja viel Zeit und Mühe. Allerdings verstehe ich auch, dass Leser gesponserte Blogposts kritisch sehen. Ich mein, geht es da wirklich noch um die persönliche Meinung des Bloggers? Oder redet der alles schön, weil er dafür bezahlt wird? Ich denke, dass sind durchaus berechtigte Fragen.
    Sich wie Mel mit einer wenig nachvollziehbaren Kostenaufstellung für seine gesponserten Posts zu rechtfertigen, halte ich jedoch für ziemlich kontraproduktiv. Wenn man unbedingt seine Finanzen darlegen will, dann bitte auch vollständig. Es macht wenig Sinn, ihre Ausgaben zu kennen und zu bewerten, wenn sie ihre Einnahmen unter den Tisch fallen lässt. Und ja, ich verstehe nur zu gut, dass sie ihre Einnahmen nicht offenlegen möchte, aber dann hätte sie sich diese lächerliche Kostenaufstellung eben auch einfach sparen sollen…

  • Auch meine laufenden Kosten sind pro Monat deutlich geringer als im erwähnten Artikel. Ich gehöre aber zu denen, bei denen der DIY-Blog erstaunlicherweise inzwischen das Nähhobby komplett finanziert und nach einem ziemlich langen Anlauf auch die 200 Euronen Marke pro Monat übersprungen hat. Dazu gibt’s bei mir jeden Monat einen ausführlichen Transparenzbericht und ein Teil wird gespendet – der Januarbericht kommt erst Ende der Woche

  • Marie sagt:

    Hmn. Kamera und Pflege sind teuer, aber dennoch nicht monatlich 83€… Das hört sch für mich mehr nach „Ich verrechne den Wert meines gesamten Equipments durch 12 und haben dann den Wert meiner Kamera im Monat“. Ich habe einen Fotografie-Blog, mein Equipment ist auch 1000€ wert und dennoch würde ich nicht sagen, dass es im Monat 83€ wert ist. Und dabei ist doch egal, wie groß der Blog ist.

    Lieben Gruß ♥

  • herb trotter sagt:

    So beautiful and helpful article. I think this post composed of with some learning and acquiring lot of things.

  • I simply want to say I’m newbie to blogging and seriously liked you’re web page. Likely I’m planning to bookmark your blog . You really have awesome stories. Thanks for sharing your website page.

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